Sportanlagen und Klubhaus

Die Geschichte der SVG ist zugleich die Geschichte einer Vielzahl von Bau- und Instand-haltungsmaßnahmen, die den Mitgliedern neben materiellen Opfern eine Unmenge unentgeltlich geleisteter Arbeitsstunden abverlangt haben. Insbesondere die bei der Bewältigung einiger Großprojekte in den fünfziger Jahren erbrachten Leistungen verdienen höchste Anerkennung. Das seit den ersten Baumaßnahmen in den zwanziger Jahren gewachsene Verantwortungs- und Pflichtgefühl wurde von Generation zu Generation weiter getragen, sodass auch heute noch eine Mannschaft zur Verfügung steht, die sich neben anderen Vereinsaufgaben um die täglich innerhalb des Sportgeländes und im Klubhaus anfallenden Arbeiten kümmert.

Dabei bedurfte es nach dem Zusammenschluss zur Spielvereinigung Göttingen im Jahre 1919 keiner besonderen Aufforderung, um die Mitglieder für die kurz danach anstehenden Arbeiten auf dem Colloseumsplatz zu motivieren. Innerhalb kurzer Zeit wurden die notwendigen Planierungsarbeiten erledigt, Tore aufgestellt und ein Zaun errichtet. Die nach Volksfesten und Zirkusgastspielen immer wieder erforderlichen Renovierungsarbeiten wurden geduldig ausgeführt. Auf Dauer war es jedoch nicht möglich, die mehrwöchigen Unterbrechungen un die Verschlechterung der Platzverhältnisse mit den gestiegenen Anforderungen des umfangreichen Spielbetriebs in Einklang zu bringen.

Die dringend erforderliche Ersatzlösung wurde 1926 gefunden, als nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung endlich ein geeignet erscheinendes Gelände an der Lotzestraße gepachtet werden konnte. Mit großem Eifer machten sich die Mitglieder daran, aus den mit tiefen Gräben durchzogenen Wiesen und Ackerflächen einen Sportplatz herzustellen. Alle Arbeiten mussten in mühseliger Handarbeit ausgeführt werden; größere Arbeitsmaschinen standen nicht zur Verfügung. Obwohl sehr viele Mitglieder täglich (!) im Einsatz waren, dauerte es ein halbes Jahr, bis der Platz im Oktober 1926 eingeweiht werden konnte.

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Das Erinnerungsfoto aus dem Jahre 1926 zeigt annähernd vierzig Mitglieder, die mit Hacke und Schaufel angetreten waren, um Wiesen und Äcker in einen Sportplatz umzuwandeln.
Enorme Anstrengungen waren erforderlich, um die neben der Spielfläche erforderlichen Einrichtungen zu schaffen. Man denke nur an die das gesamte Gelände umgebende Betonmauer; ein Teil davon bildet immer noch die Grenze zu den an der Ostseite gelegenen Gärten. Allein die Materialkosten für eine derartige Mauer würden heutzutage jeden Vereinsetat sprengen, ganz zu schweigen von dem riesigen Arbeitsaufwand.

Die nächste Aufgabe wartete schon – der Bau eines Klubhauses mit Umkleidekabinen. Der aus heutiger Sicht bescheiden anmutende Flachbau wurde vollständig in Eigenarbeit errichtet und am 01.10.1931 fertig gestellt. Bei der Planung, Materialbeschaffung und Arbeitsorganisation hatte sich August Großcurth besonders verdient gemacht.

Der Klubraum in der Mitte war relativ klein, genügte aber den damaligen Ansprüchen, zumal Versammlungen und größere Veranstaltungen auch weiterhin im „Vereinslokal“ stattfanden. Links und rechts befanden sich die Umkleideräume und Waschgelegenheiten – Duschen waren noch  nicht üblich. In einem unter dem Klubraum gelegenen, nur durch eine Bodenklappe zu erreichenden Kellerraum lagerten die von „Mieze“ Messerschmidt gehüteten Getränke.

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Das Klubhaus kurz vor der Fertigstellung und einige Jahre später. Im Vordergrund: Richard Pieper, Arthur Görder, Harry Görder und „Mieze“ Messerschmidt

Nach dem Krieg musste zunächst der zwischenzeitlich von Kleingärtnern genutzte Platz wieder hergerichtet werden. Nach der Inbetriebnahme im Herbst 1946 wuchs die Mitgliederzahl ständig, sodass die Organisation des Trainings- und Spielbetriebes zunehmend Probleme bereitete. Die Bemühungen, das Pachtgelände durch die südlich angrenzende Fläche zu erweitern, hatten schließlich Erfolg. Nun begann die Ära Richard Piepers, der fortan bis in die sechziger Jahre für die Planung und Durchführung aller Bauprojekte hauptverantwortlich war.

Beim 1951 begonnenen Bau des B-Platzes war wieder die Arbeitskraft der Mitglieder gefragt. Zwar hatte man Schienen verlegt, um die Erd- und Materialtransporte durch eine Feldbahn zu erleichtern. Es gab aber nur Loren – die Lokomotive wurde durch Muskelkraft ersetzt. Kaum war der B-Platz im Jahre 1952 eingeweiht, begannen die Arbeiten an dem wohl umfangreichsten Projekt in der Vereinsgeschichte: Die Vergrößerung des A-Platzes und die gleichzeitige Errichtung einer umlaufenden Radrennbahn. Man kann sich kaum noch vorstellen, welches riesige Pensum zur Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte geleistet werden musste.

Auf dem A-Platz wurden zur Verbesserung der Drainage 56 Sickerschächte angelegt und mit Kies verfüllt. Hinter dem südlichen Fußballtor entstand eine kleine Hartplatz-Trainingsfläche mit Beleuchtung. Über 10.000 Kubikmeter Material mussten bewegt werden, bis die Radrennbahn und die Tribünen aufgefüllt und mit der notwendigen Packlage versehen waren. Mehrere tausend Arbeitsstunden waren allein erforderlich, um die Stützmauern an der Tribüne und an der Nordseite des B-Platzes aus Natursteinen aufzubauen. Bei den Arbeiten an der Radrennbahn wurden die Mitglieder der SVG durch die Mitglieder der Radsportvereine „Stern“, „Möwe“ und „Germania“ unterstützt. Ob jung oder alt, alle SVGer, die eine Schaufel halten oder eine Karre schieben konnten, mussten mit zufassen. Die Ringer verzichteten sogar auf ihr Training, um beim Arbeitseinsatz mitzuhelfen.

Schon vor der Eröffnung der Radrennbahn im Juli 1954 war das nächste Projekt gestartet worden: Umbau und Aufstockung des Klubhauses. Auch hier wurden die handwerklichen Arbeiten fast ausschließlich durch Mitglieder und damit unentgeltlich erbracht.

Klick hierDas Klubhaus 1957, noch ohne Balkon und die etwas später erfolgten Änderungen an der Südseite. Vorplatz und Fahrweg waren noch unbefestigt.

1957 wurde die Rollschuhbahn fertig gestellt. Die meisten Arbeiten waren durch Mitglieder erledigt worden. Lediglich zur Herstellung der Lauffläche aus Marmor-Terrazzo musste eine Spezialfirma beauftragt werden. Oft wird vergessen, dass im Zusammenhang mit einzelnen Projekten zusätzliche Arbeiten erforderlich sind. Bei der Rollschuhbahn waren dies: Zuwegung, Geländer, Beleuchtungsanlage mit Zuleitung, Beschallungsanlage sowie ein Häuschen mit Umkleidebereich und Geräteraum.

Zur Vergrößerung und Modernisierung der Umkleide- und Sanitärbereiche erfolgte 1960 ein zweigeschossiger Anbau an der Westseite des Klubhauses. Im Obergeschoss entstand eine Wohnung für den Platz- und Hauswart. Auch bei diesem Projekt war Richard Pieper federführend. Ihm ist nicht nur die Planung und Organisation vieler Maßnahmen, sondern auch die notwendige Überzeugungsarbeit bei Vorstandskollegen und Mitgliedern sowie die Gewinnung der für die einzelnen Gewerke erforderlichen Mitarbeiter zu verdanken. Außerdem schaffte er es, auch die Kosten für unabdingbare Fremdleistungen (z.B. Architektenleistungen, Materialbeschaffung usw.) sehr gering zu halten.

In den sechziger und siebziger Jahren wurden neben den ständig erforderlichen Pflege- und Instandhaltungsarbeiten viele kleinere Maßnahmen durchgeführt, z.B. der Bau von Garagen und Geräteräumen, die Erweiterung der Gaststätte, die Errichtung einer Flutlichtanlage, die Renovierung von Radrennbahn und Rollschubahn usw. Inzwischen hatten andere Mitglieder die Verantwortung für die Planung und Ausführung aller anfallenden Arbeiten übernommen. Zu nennen sind hier in erster Linie Herbert Sist und Günter Eckert. Dazu kamen Willi Kulp, Rolf Meier und nicht zuletzt Willi Oberdiek, der nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit 20 Jahre lang fast täglich bei der Pflege der Außenanlagen und vielen anderen Tätigkeiten am Sandweg anzutreffen war.
1981 wurde mit einem Anbau zur Erweiterung des Kabinenbereichs und der Gaststätte begonnen. Die alten Kabinen hatten für 11 Spieler gerade ausgereicht, für inzwischen 15 oder 16 Aktive waren sie zu klein. Die Gaststätte sollte endlich auch für größere Feiern oder Veranstaltungen genug Platz bieten. Neben den bewährten Kräften ist es vor allem den Mitgliedern der Altherren-Abteilung zu verdanken, dass die Räume rechtzeitig zum 75jährigen Jubiläum 1982 fertig waren.

Ab 1991 hat der seit 1990 amtierende 1. Vorsitzende Heinz Doil mehrere Bauvorhaben angestoßen.  Im Zuge von Renovierungsarbeiten wurde die Gaststätte durch einen Anbau vergrößert; mit der gleichzeitigen Neugestaltung und Modernisierung der Toiletten wurde insgesamt eine  gelungene Lösung erzielt.

Ein in jeder Beziehung besonders großer Brocken war der 1993 begonnene Tribünenbau. Obwohl größere Geldspenden und Beihilfen zur Verfügung standen, musste neben der gewohnt tatkräftigen Unterstützung durch die Mitglieder ein erheblicher Teil der Kosten für die umfangreichen Betonierungsarbeiten,  für die Stahlkonstruktion, Bedachung, Sitzschalen usw. fremd finanziert werden.

Klick hierEin wahres Schmuckstück ist die überdachte Tribüne mit 300 Einzelsitzen. Auch an ihrer Entstehung haben zahlreiche Mitglieder unentgeltlich mitgearbeitet. 1995 wurde nach dem Abriss des alten Geräteschuppens mit dem Anbau des ca. 130 qm großen Kabinentraktes ein weiteres Großprojekt in Angriff genommen.

Auf Grund finanzieller Engpässe verzögerte sich die Fertigstellung. Nach dem vollständigen Innenausbau konnten die Räume zwar genutzt werden; für das Dach gab es Ende 1997 jedoch nur eine provisorische Lösung. Nachdem die SVG 1998 in eine schwere wirtschaftliche Krise geraten war, sollten bis zur  endgültigen Fertigstellung noch einige Jahre vergehen. Erst 2004 wurde das Provisorium durch ein neues Dach ersetzt.

Mit der Anbringung des Wärmedämmputzes im Jahre 2006 wurde dieses Projekt endlich abgeschlossen. Auch die Platz- und Hauswarte haben zum Bau sowie zur Instandhaltung und Pflege der Anlagen und Einrichtungen einen erheblichen Beitrag geleistet. Nach dem SVG-Original Heinrich „Mieze“ Messerschmidt waren es Karl-Heinz Ude, Heinz Bartsch und viele andere mit ihrer verdienstvollen Arbeit.

Mit Hans-Joachim Liehr hat ein Vertreter der etwas jüngeren Generation die Organisation der Arbeiten des „Bautrupps“ übernommen. Ihm und der SVG ist zu wünschen, dass es auch weiterhin gelingt, immer genug Mitglieder für die Erfüllung der anstehenden Aufgaben zu begeistern,  damit die mit viel Idealismus geschaffenen Werte auf Dauer erhalten bleiben.

Göttingen im Mai 2007
Redaktion: "Schacko" Hahne und Hans Kerl
Göttingen im Februer 2008 Administrator und Überarbeitung: Reinhold Napp