Rollsport

Für die meisten Mädchen, aber auch für etliche Jungen war das Rollschuhlaufen in den fünfziger Jahren eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Es mangelte allerdings an geeigneten Flächen für sportliche Wettkämpfe und die dafür notwendige Vorbereitung. Auch in den wenigen Sporthallen war es kaum möglich, Rollsport zu betreiben, weil die Bodenbeläge entweder ungeeignet oder den besonderen Beanspruchungen nicht gewachsen waren.

Für die Verantwortlichen der SVG war es daher nahe liegend, auf einer Freifläche neben dem B-Platz die Errichtung einer Rollschuhbahn zu planen. Gesagt, getan! Pünktlich zum fünfzigjährigen Jubiläum konnte die schmucke Terrazzobahn am 1. August 1957 eingeweiht werden. Unter der Leitung von Frau Karkosch wuchs die Abteilung schnell auf ca. 40 Mitglieder an. Das anspruchsvolle Trainingsprogramm trug schon nach relativ kurzer Zeit Früchte, sodass die Aktiven nicht nur bei heimischen Veranstaltungen, sondern auch auf Bezirks- und Landesebene ihr Können unter Beweis stellen konnten.

Vor einer der vielen Veranstaltungen – im Hintergrund sind die Stuhlreihen für die erwarteten Zuschauer zu erkennen - hat sich hier die Mädchenriege für das obligatorische Foto aufgestellt.

Einen sportlichen Leckerbissen konnten die zahlreichen Zuschauer erleben, als die Weltmeister im Paarlaufen bei einem Schaulaufen zu Gast waren. Rita Blumenberg und Werner Mensching aus Hannover begeisterten mit ihrer Weltmeisterkür das fachkundige Publikum.

Leider musste schon Ende der sechziger Jahre festgestellt werden, dass die Terrazzofläche immer mehr Schäden aufwies. Insbesondere im Bereich der Dehnungsfugen gab es gefährliche Stolperstellen, die eine weitere Benutzung der Bahn nach und nach unmöglich machten. Auch deshalb führte die Rollsportabteilung einige Jahre ein Dornröschendasein.

Erst Anfang 1974 wurde die Abteilung zu neuem Leben erweckt, als Albert Pewny die Führung übernommen hatte. Innerhalb eines Jahres standen wieder ca. 30 Läuferinnen und Läufer im Trainings- und Wettkampfbetrieb, der allerdings nur in der Halle durchgeführt werden konnte.

Die Bemühungen Pewnys, die Rollschuhbahn instand zusetzen oder zu erneuern, hatten zunächst keinen Erfolg. Als A. Pewny Ende 1976 Göttingen verließ, konnte mit Karin Lentge eine neue Abteilungsleiterin gewonnen werden, die sowohl die sportliche Arbeit als auch die Bemühungen um die Bahnerneuerung kontinuierlich fortsetzte. 1978 war es endlich soweit. Durch eine auf der alten Bahn errichtete Holzkonstruktion, die mit einem Sand-/Kies-Gemisch verfüllt und mit wetterfesten Platten verschraubt war, hatte man eine völlig neue Lauffläche geschaffen, die den Ansprüchen der Sportler voll und ganz gerecht wurde.

Diese praktisch neue Bahn wurde im Juni 1979 eingeweiht. Fortan konnte der Sportbetrieb zumindest im Sommerhalbjahr wieder auf einer bestens geeigneten Freifläche stattfinden. Die Freude über die neue Bahn währte allerdings nur ca. zehn Jahre. Im Zuge neuer Erkenntnisse über die Gesundheitsgefährdung durch Asbestfasern wurde auch eine Prüfung der asbesthaltigen Lauffläche durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass eine weitere Benutzung untersagt werden musste. Die nutzungsbedingte Freisetzung von Asbestfasern war einfach zu gefährlich. Die Platten wurden deshalb abgebaut und entsorgt. Einige Jahre später die Fläche zu einem Kleinspielfeld umgewandelt. Heute tummeln sich dort die jüngsten Fußballspieler/innen.

Der auf die Halle beschränkte Sportbetrieb wurde noch einige Jahre fortgesetzt. Nach dem Wohnsitzwechsel der Abteilungsleiterin Karin Lentge und durch die Abwanderung zu anderen Vereinen kamen die Aktivitäten jedoch bald zum Erliegen. Niemand kann vorhersagen, ob es eines Tages wieder eine Rollsportabteilung bei der SVG geben wird, der Traum von einer Freiluftbahn dürfte jedoch für eine sehr lange Zeit ausgeträumt sein.