Handball

Über die ersten Schritte der Handball-Abteilung nach der Gründung durch Willi Görder und seinen Sohn Arthur im Jahre 1927 ist nicht viel bekannt. In einer "vereinsgeschichtlichen Betrachtung" von 1929 hat Fritz Hahne, damals SVG-Geschäftsführer, dazu folgendes ausgeführt: "Die Handballabteilung der SVG ist noch recht jung. Wir konnten aber auch hier schon einen beachtlichen Fortschritt feststellen. Im Handball-Meisterschaftswettbewerb errangen wir den dritten Platz. Gerade der Handballsport hat eine Zukunft und es soll Vereinsaufgabe sein, an der Förderung dieses Sportes genügenden Anteil zu nehmen."

Offenbar hat man diese Worte beherzigt. Der Handball gewann in der SVG zunehmend an Bedeutung. Auch durch den Zugang von guten Spielern aus dem Inf.-Reg. 17 begünstigt hatte der Verein in den dreißiger Jahren eine der besten Handballmannschaften Südhannovers. Nach den Männern der ersten Stunde (Nörtemann, Hubensack, Mühlenstedt und andere ) waren nun Berking, Mintenbeck, Bredemeyer, Meise, Ilse, Wilhelm, Utgenannt u.a. für die bei Verbands- und Gesellschaftsspielen erzielten Erfolge verantwortlich.

Auch im Handball gab es keine Winterpause. Wenn die Wetter- und Platzverhältnisse es irgendwie zuließen, wurde gespielt, auch wenn bei tiefem Boden das beim Feldhandball unerlässliche "Auftippen" des Balles praktisch nicht möglich war. Bei widrigen Verhältnissen endeten manche Spiele deshalb nur mit 3 : 1 oder 3 : 2 Toren. Es galt der Grundsatz: Wenn eine Mannschaft angereist ist, soll auch gespielt werden. Es war ohnehin schwierig genug, immer die erforderlichen Transportmittel zu beschaffen.

Es liegt auf der Hand, dass auch die Handballer in den ersten Nachkriegsjahren mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Hauptsächlich den Bemühungen von Heinrich "WuZ" Vollbrecht ist es zu verdanken, dass schon im Februar 1946 wieder eine Mannschaft antreten konnte. Das auf dem Uni-Sportplatz ausgetragene Spiel gegen TK 46 bestritten: O. Becker, W. Fischer, H. Köhne, H. Kramer, G. Lüdtke, W. Neumann, R. Mensch, C. Reichelt, K. Spönemann, W. Steingräber und H. Vollbrecht.

Der folgende Aufschwung wird durch die Meisterschaften und Aufstiege 1948 (Bezirksliga) und 1950 (Süd-Niedersachsenliga) belegt. 1950 waren dabei: Henze, Vollbrecht, Kock, Fritzsche, Jannot, Meißner, Brombach, Gaertych, Steingräber, Dr. Wagner, Neumann, Brakel, Knoche und Ehrhardt. Außerhalb des Spielfeldes traf man sich bei Wallbrecht und Zimmermann (daher stammt Heinrich Vollbrechts Beiname "WuZ"). Die in dieser Zeit entstandenen, über das sportliche Miteinander weit hinausgehenden Freundschaften führten später zur Bildung einer einzigartigen Gemeinschaft, dem Verein ehemaliger Handballer (intern VHH). Dieser Freundeskreis hat bis heute Bestand. Naturgemäß ist der Kreis kleiner geworden, die Mitglieder älter. Bei der jährlichen Zusammenkunft steht deshalb der Austausch von Erinnerungen in geselliger Runde im Vordergrund. Das früher traditionelle Spiel "SVG-alt" gegen "SVG-noch nicht so alt" fand zuletzt Mitte der achtziger Jahre statt.

Mit der Einführung der einteiligen Niedersachsenliga wurde die Mannschaft 1954 in die Bezirksliga zurückgestuft; sie konnte sich dort bis 1959 halten.

Ein besonderer Leckerbissen wurde dem Göttinger Publikum geboten, als anlässlich des 50jährigen Jubiläums der SVG der mehrfache deutsche Meister Hassee Winterbek (jetzt THW Kiel) zum Sandweg kam. Über 2.000 Zuschauer waren von der meisterlichen Handballdemonstration der Gäste mit ihrem Spielmacher Hein Dahlinger begeistert. Die SVG konnte zunächst mithalten, musste sich am Ende aber doch deutlich mit 11 : 21 geschlagen geben. Die Tore für die SVG erzielten: Göpel, Allwardt, Bertram, Tschaffon und Vollbrecht. Im Vorspiel standen sich die Frauenmannschaften der SVG und Göttingen 05 gegenüber. Die Mannschaft der SVG hatte sich gerade erst neu formiert, sodass die deutliche Niederlage gegen 05 nicht unerwartet kam.

Seit Mitte der fünfziger Jahre wurde auch im Hallenhandball um Punkte gespielt. Nach anfänglichen Erfolgen konnte die SVG zweimal hintereinander den Abstieg nicht vermeiden. Nachdem viele ältere Spieler aufgehört hatten, dauerte es einige Zeit, bis mit jüngeren Spielern die alte Spielstärke wieder erreicht werden konnte. Für den neuen Abteilungsleiter Werner Lotze war es daher nicht leicht, den bei den Herren und bei der Jugend gleichermaßen erforderlichen Neuaufbau zu organisieren. Es ging wieder aufwärts, als mit steigender Mitgliederzahl endlich eine zweite Herrenmannschaft gemeldet werden konnte.

1967 konnten die Herren im Feld und in der Halle wieder in der Bezirksliga spielen. Trainer war damals der Nationalspieler Felix Schmacke. 1969 wurde mit Platz zwei nur knapp der Aufstieg in die Oberliga verpasst. Auch in den folgenden Jahren waren die Herren in der Feldhandball-Bezirksliga immer oben dran, bis ab 1976 in Deutschland generell kein Feldhandball mehr gespielt wurde.

Die Übernahme der Jugendarbeit durch Gerhard Kohlstruck im Jahr 1965 machte sich schnell bezahlt. Der Aufstieg in die Bezirksleistungsklasse 1966 war ein schöner Erfolg. Allerdings fehlte die Breite. Es war kaum möglich, die beim Übergang in die nächste Altersstufe entstehenden Lücken durch Spieler der jüngeren Jahrgänge auszugleichen. Dieses Manko bestand auch in den folgenden Jahren. Punktuelle Erfolge und ein vorübergehender Anstieg der Mannschaftsmeldungen zu Beginn der achtziger Jahre können darüber nicht hinwegtäuschen. Am Engagement der vielen ehemaligen Spielerinnen und Spieler, die in der Abteilungsführung, als Trainer und Betreuer (manchmal auch alles gleichzeitig) tätig waren, hat es bestimmt nicht gelegen. Karl-Heinz Abel, Jürgen Lohs, Barbara und Reinhard Brix und viele andere haben sehr gute Arbeit geleistet. Ein Problem konnten sie nicht lösen: Bei der SVG drehte sich zunächst einmal alles um den Fußball. Alle anderen mussten erst einmal selbst zurechtkommen.

Bei den Damen lagen die Dinge etwas anders. Zumeist waren es nur Zeiträume von etwa fünf Jahren, in denen eine oder zwei Damenmannschaften spielten. Der Anfang wurde in den dreißiger Jahren gemacht. Über den damaligen Spielbetrieb ist allerdings nichts Näheres bekannt. Von 1956 bis 1961 hat wieder eine Damenmannschaft am Spielbetrieb teilgenommen. Obwohl die Mannschaft recht erfolgreich war, standen zum Schluss nicht mehr genug Spielerinnen zur Verfügung. Die Ausfälle durch Ortswechsel, Mutterschaft usw. konnten nicht kompensiert werden. 1966 gab es einen Neubeginn mit einer überwiegend aus Jugendlichen bestehenden Mannschaft. Da das Gros der Mannschaft einige Jahre zusammenhielt, blieben Erfolge nicht aus. Auch hier zeigte sich nach ca. fünf Jahren, dass man bei fehlendem Nachwuchs mit einem relativ kleinen Kader auf Dauer nicht bestehen kann.

1978 wurde wieder eine Damenmannschaft ins Leben gerufen. Einige Frauen und Freundinnen von Spielern der Herrenmannschaft waren mit von der Partie, sodass die Mannschaft in der gesamten Abteilung einen starken Rückhalt hatte. Nach zwei Aufstiegen wurde 1982 die Bezirksklasse erreicht. Die Chancen für eine positive Weiterentwicklung standen gut, weil die weibliche Jugend zu Beginn der achtziger mit zwei bzw. drei Mannschaften im Spielbetrieb standen. Damit hätten die aus früheren Jahren bekannten Nachwuchsprobleme nach und nach gelöst werden können. Es kam jedoch anders. Nach internen Unstimmigkeiten verließ fast die komplette Damenmannschaft den Verein und wechselte zur Konkurrenz. Danach hat es für die Meldung einer Damenmannschaft nicht mehr gereicht.

Nachdem die Herrenmannschaft in die Niederungen des Kreises abgerutscht war, wurde mit der Verpflichtung des Trainers Reinhard Vollbrecht 1981 der Versuch gestartet, nach und nach zu alter Spielstärke zurückzufinden. Danach ging es zwar leicht nach oben, ein Durchbruch in die Richtung höherer Spielklassen gelang jedoch bis in die späten achtziger Jahre nicht. Danach war wieder ein Abwärtstrend festzustellen. Der Versuch, die entstandenen Probleme durch eine Spielgemeinschaft mit Tuspo Göttingen zu lösen, scheiterte. Seit 1992 findet Handball in Göttingen ohne eine Mannschaft der SVG statt.

Das letzte wirkliche Highlight der SVG-Handballer liegt schon 25 Jahre zurück. Zum 75jährigen Vereinsjubiläum konnte 1982 der Bundesligist Grün-Weiß Dankersen nach Göttingen verpflichtet werden.