100 Jahre Fußball bei der SVG

100 Jahre SVGDie ersten 20 Jahre in der Vereinsgeschichte gehörten allein dem Fußball. Der wesentliche Grund für diese Einseitigkeit bestand darin, dass die Fußballer zunächst nicht die Möglichkeit hatten, sich den etablierten Turn- oder allgemeinen Sportvereinen anzuschließen. In der Turnerschaft war der Fußball alles andere als gern gesehen. Die Verbände waren geradezu auf die Ausgrenzung des Fußballs bedacht.

Als 1907 und 1908 mit "Göttingia" und "Sport 08" die beiden Vorgänger der SVG die Göttinger Fußballszene betraten, bestand als einziger weiterer Fußballklub nur der GFC 05 (später 1. SC von 1905). Nachdem die Mannschaften der neuen Klubs zunächst nur Freundschaftsspiele – damals Gesellschaftsspiele genannt – austrugen, kam es ab 1910 auch zu Verbands- (Punkt-) spielen in den nach und nach eingerichteten Spielklassen.

Erfolge und Niederlagen wechselten sich ab. Insgesamt konnten sich die beiden neuen Klubs jedoch gut behaupten. In der letzten Saison vor dem 1. Weltkrieg wurde "Göttingia" sogar Kreismeister. Inzwischen hatte der Fußball immer mehr Zulauf bekommen, sodass in unmittelbarer Nachbarschaft weitere Vereine (Geismar, Grone, Weende, Rosdorf) hinzukamen. Bevor der Betrieb in größeren Spielklassen so richtig in Schwung kommen konnte, brach im Juli 1914 der 1. Weltkrieg aus. Sofort mussten sämtliche Aktivitäten eingestellt werden.

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Das der Chronik von "Männe" Pingel entnommene – undatierte – Foto wurde wahrscheinlich um 1910 aufgenommen. Die arg ramponierte Wiese zeugt davon, dass hier schon einige Kämpfe ausgetragen wurden.

Ein eigenes oder ihnen zur alleinigen Benutzung überlassenes Sportgelände hatten die Vereine damals nicht. Abwechselnd wurde auf der Schützenwiese (Schützenplatz), auf einer Wiese an der Bunsenstraße oder auf dem Kasernenhof an der Geismarlandstraße gespielt. Später kam der Jahnplatz hinzu. Natürlich mussten sich die Mannschaften selbst darum kümmern, dass die Plätze einigermaßen bespielbar und auch ordnungsgemäß abgekreidet waren. Für diese Verrichtungen wurden alle Spieler in die Pflicht genommen.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges im November 1918 hatten die Vereine große Mühe, sich neu zu sammeln, um das Vereinsleben und den Spielbetrieb wieder in Gang zu bringen. Nicht weniger als fünfunddreißig hoffnungsvolle junge Männer aus den Vereinen "Göttingia" und "Sport 08" hatten durch den Krieg ihr Leben verloren. Auch in sportlicher Hinsicht waren also herbe Verluste zu beklagen. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Probleme und die eingeschränkten Verkehrsmöglichkeiten. Es bot sich daher an, die verbliebenen Kräfte zu bündeln, um gemeinsam die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden.

Da es nur eine Sparte gab und die Vereine keine besonderen Vermögenswerte besaßen, ging - nach Diskussionen um den Namen und um die Vereinsfarben - der Zusammenschluss zur Spielvereinigung Göttingen im September 1919 problemlos vonstatten. Sofort wurde mit großem Elan der Spielbetrieb organisiert. Der bevorstehende Winter konnte niemanden abschrecken. Gespielt wurde auch bei Eis und Schnee. Allerdings gab es nicht genug geeignete Plätze. Als sich kurz nach dem Zusammenschluss die Möglichkeit bot, an der Wiesenstraße aus privater Hand ein Grundstück zu pachten, griff der Vorstand sofort zu. Obwohl der für fünf Jahre abgeschlossene Pachtvertrag einige Tücken aufwies – so musste man nicht nur während der Volksfeste im Frühling und Herbst das Feld räumen, sondern anschließend auch noch die Schäden beseitigen – war man froh, endlich über ein "eigenes" Gelände verfügen zu können. Die mit großem Eifer ausgeführten Planierungs- und sonstigen Arbeiten führten dazu, dass schon am 14.12.1919 das so genannte Kranzspiel gegen Tura Kassel ausgetragen werden konnte. Der dabei erzielte 3:2 Sieg wurde natürlich als gutes Omen gewertet.

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Das im Winter 1919/1920 vor der alten Schießhalle aufgenommene Foto belegt, dass auch noch auf der Schützenwiese gespielt wurde. Von links: Messerschmidt, Köwing I, Schöttler, Aschoff, Großcurth, Hartmann, Saß, Fraatz, Wollborn, Großkopf, Heine Im Laufe der zwanziger Jahre ging die Mitgliederzahl ständig nach oben. Mit fast 500 Mitgliedern, 9 (!) Senioren-, 5 Jugend- und 2 Schülermannschaften war die SVG um 1925 einer der größten Fußballvereine Südhannovers. Wo sollten die alle spielen? Der Platz auf der "Colosseumswiese" – früher auch Vogelwiese genannt – an der Wiesenstraße wurde den Anforderungen immer weniger gerecht.

Nach langwierigen und zähen Verhandlungen konnte endlich ein Grundstück an der verlängerten Lotzestraße gepachtet werden. Auch hier waren die Mitglieder sofort dabei, aus dem mit Gräben durchzogenen Gelände in aufwändiger Handarbeit einen Sportplatz zu errichten, das Ganze mit einer Mauer zu umgeben usw. usw… Die Einweihungsfeier am 10.10.1926- mit einer eigens herausgegebenen Festschrift und einem Spiel gegen Göttingen 05 – war für alle SVGer ein besonderes Ereignis. Die Niederlage gegen 05 wurde von der Freude über die neue sportliche Heimat deutlich überstrahlt, zumal das Gelände auch den Bau eines Klubhauses zuließ.

Die Entwicklung des Fußballs zum Volkssport Nr. 1, politische Umwälzungen, vor allem aber der Erfindungsreichtum der Verbandsfunktionär haben im laufe der Jahrzehnte immer wieder zu einschneidenden Veränderungen bei der Spielklasseneinteilung und im Regelwerk geführt. Der Vergleich mit den derzeitigen Verhältnissen und die Einschätzung der Spielstärke wird dadurch erschwert.

In den zwanziger Jahren spielte die 1. Ligamannschaft der SVG in der Hessisch-Hannoverschen Ligaklasse und in der Hessisch-Hannoverschen Gauliga. Bahnfahrten zu den für damalige Verhältnisse weit entfernten Spielorten (u.a. Fulda, Marburg, Wetzlar, Gießen) verursachten erhebliche Reisekosten, obwohl man sich mit der "Holzklasse" (4. Kl.) begnügte. Nach den Angaben in der monatlich erscheinenden "Vereins-Zeitung" haben die Reisekosten im Abrechnungsjahr 1920/21 mit über 7.000 Mark etwa 25 % des Gesamtetats betragen. Ob in diesem auch Spesenzahlungen an die Spieler enthalten waren, ist nicht zu ersehen.

Offensichtlich hat es schon damals Vereine gegeben, die durch überhöhte Spesenzahlungen oder andere Vergütungen versucht haben, gute Spieler zu verpflichten. Zu diesem Thema hat der Westdeutsche Spielverband bereits Ende 1921 einige strenge Richtlinien erlassen, z.B.: Die reine Aufwandsentschädigung darf niemals die festgesetzten DFB-Spesen überschreiten. Eine weitere Entschädigung, insbesondere Taschengeld, darf nicht gezahlt werden. Jedes Mitglied muss sich die Sportkleidung auf eigene Kosten anschaffen. Der Verband sah sich zu diesen Richtlinien veranlasst, um "unseren Volkssport als Amateursport rein zu halten" und um das "verkappte Berufsspielertum" zu unterdrücken.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde 1927 ein bezahlter Trainer engagiert. Bis dahin hatte der Spielausschuss die Mannschaften aufgestellt und festgelegt, wer die üblichen Trainingsspiele leiten sollte. Beim Fußballklub "Göttingia" war der in der Generalversammlung gewählte 1. Kapitän Chef in sämtlichen Spielangelegenheiten. Alle aktiven Mitglieder waren ihm direkt unterstellt. Verglichen mit den heutigen Verhältnissen war der Kapitän somit Ligaobmann, Trainer und Mannschaftsführer in einer Person.

Die Verpflichtung des ungarischen Berufstrainers im Jahre 1927 brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ein Jahr später musste die 1. Mannschaft aus der Gauliga absteigen. Nach der Entlassung des Trainers ging es wieder aufwärts. 1929 konnte zum zehnjährigen Bestehen der Spielvereinigung ein einmaliges Ereignis gefeiert werden: Alle vier Senioren-Mannschaften hatten in ihren Klassen die Meisterschaft errungen. Ein Aufstieg in die nächtshöheren Klassen war damit allerdings nicht verbunden.

Seit Mitte der zwanziger Jahre kamen attraktive Gegner zu Freundschaftsspielen nach Göttingen. Die Mannschaften aus Prag, Köln, Basel, Berlin und Aachen waren für die SVG eine Nummer zu groß. Außer einem 3 : 3 gegen die Black Stars Basel gab es nur deftige Niederlagen. Dagegen schlug sich die Mannschaft beim 2 : 4 gegen Hannover 96 im Jahre 1929 noch recht achtbar.

Die Serie von Freundschaftsspielen gegen sehr bekannte Mannschaften wurde in den dreißiger Jahren fortgesetzt. Beim 1931 ausgetragenen Spiel gegen den mehrfachen deutschen und süddeutschen Meister Spielvereinigung Fürth hatte sich die SVG mit Spielern vom SC 03 Kassel verstärkt. Rund 4.000 Zuschauer waren begeistert, als die mit einigen Nationalspielern besetzten Fürther beim verdienten 5 : 0 ihre besondere Klasse unter Beweis stellten.

Das Jahr 1934 brachte drei sportliche Großereignisse für die SVG. Im Mai wurde gegen Eintracht Frankfurt (1 : 7)und gegen eine Saar-Auswahl (4 : 3), im August gegen Waldhof Mannheim (0 : 1) gespielt. Zu einem wahren Knüller kam es ein Jahr später, als die SVG am 31. August in der 1. Schlussrunde um den DFB-Vereinspokal gegen Schalke 04 antrat. Nach 1934 war Schalke wenige Wochen vorher erneut Deutscher Meister geworden. Über das vor 4.750 Zuschauern (Notiz des Kassierers Hermann Pingel auf dem Spielplakat) vom FC Schalke mit 5 : 1 gewonnene Spiel ist in früheren Festschriften schon viel berichtet worden. Die Schalker Spieler waren schon damals echte Fußallstars, die sowohl bei ihrer Ankunft am Bahnhof als auch vor dem Rathaus – hier gab es einen Empfang durch die Stadtoberen – von einer großen Menschenmenge erwartet wurden.

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Das Bild zeigt den Einlauf der von Ernst Kuzorra angeführten Schalker. Der Hitlergruß der Spalier stehenden Jugendlichen war vorgeschrieben. Schon wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte der Gauführer die Anweisung erteilt, dass die Mannschaften vor Spielbeginn auf Zeichen des Schiedsrichters den "Hitler-Gruß" darzubringen hatten. Nach Spielende war als Sportgruß statt des früheren "Hipp Hipp Hurra" ein dreifaches "Sieg-Heil" obligatorisch. Bedeutsamer als diese formellen Dinge war jedoch das politisch motivierte Verbot verschiedener – auch Göttinger – Vereine im Jahre 1933 sowie die nach Einführung der Wehrpflicht 1936 und ab Kriegsbeginn 1939 entstandenen Probleme.

Rein zahlenmäßig konnten die durch Einberufungen entstandenen Lücken zwar oft durch in Göttingen stationierte Soldaten ausgeglichen werden. Spätestens ab Kriegsbeginn wurde es jedoch immer schwieriger, eine eingespielte Mannschaft aufzubieten. Natürlich hatten andere Vereine mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Trotz aller Schwierigkeiten gelang der Mannschaft nach einigen vergeblichen Anläufen im Jahr 1942 doch noch der Aufstieg in die Gauliga. Diese Klasse konnte ein weiteres Jahr gehalten werden. Im Herbst 1944 wurde der Spielbetrieb jedoch völlig eingestellt.

Nach Kriegsende war es zunächst sehr schwierig, wieder zu einem halbwegs geordneten Spielbetrieb zu kommen. Die Besatzer hatten die Vereine verboten. Bälle und Sportkleidung mussten abgeliefert werden. Der Platz war durch Kleingärtner belegt. Allen Behinderungen zum Trotz wurden ab Ende August 1945 einige Freundschaftsspiele durchgeführt – gezwungenermaßen nur auf fremden Plätzen.

Der Neuaufbau wurde durch einige Rückschläge gebremst. Das Aufstiegsspiel zur Niedersachsenliga gegen Göttingen 05 im Februar 1946 (in Weende vor 1.500 Zuschauern) ging 4 : 1 verloren. Nach der von März bis September 1946 gespielten Punktrunde wurde der Aufstieg erneut verpasst. Es war nur ein schwacher Trost, dass die Heimspiele ab 15.09.46 wieder auf dem SVG-Platz ausgetragen werden konnten. Es dauerte schließlich bis 1950, ehe der Aufstieg in die damalige Verbandsliga gelang. Obwohl die SVG sieben Jahre lang in dieser Spielklasse blieb, war eine stetige sportliche Weiterentwicklung, vor allem im Jugendbereich, aber auch bei den unteren Mannschaften festzustellen.

Die positive Entwicklung bekam mit dem 1957 erreichten Aufstieg in die Amateur-Oberliga einen weiteren Schub. Die Begeisterung der vielen mitgereisten Fans war riesengroß, als das in Freden ausgetragene Entscheidungsspiel gegen die Sportfreunde Ricklingen durch das goldene Tor von "Charly" Neuß mit 1 : 0 gewonnen wurde. Die Spieler wurden auf den Schultern der Fans vom Platz getragen.

Der Kader der Meistermannschaft 1957

Der Kader der Meistermannschaft 1957: Oben: D. Pfeifer, Bohnsack, Patzke, Heese, Bauer; Mitte: Sist, Kücking, Gundel, Wegener, Magerkurth, Baumann; Vorn: Voss, Zeisler, Neuß, Vogel, Tschaffon, Symnick, Fengewisch, Wenzlawek, Hesse

In den folgenden Jahren – zeitweise spielten fünf Herrenmannschaften – machten auch die "Reserve" und die "Dritte" auf sich aufmerksam. 1962 wurde die 2. Mannschaft Meister der Bezirksklasse. Durch ihren Aufstieg in die Amateurliga konnte die Dritte als Kreismeister in die Bezirksklasse aufrücken. Die Freude über den doppelten Aufstieg währte zwar nur ein Jahr. Aber auch danach konnte das Niedersachsenross als Ehrenpreis des Kreismeisters noch einige Male an den Sandweg geholt werden.

Mit der Einführung der Bundesliga 1963 wurde beschlossen, die beiden Amateur-Oberligen im folgenden Jahr zusammenzulegen. Leider schaffte die SVG den für die eingleisige Klasse erforderlichen Tabellenplatz nicht. Sie wurde deshalb in die Verbandsliga zurückgestuft, ohne abgestiegen zu sein. Es folgten einige durchwachsene Spielserien, ehe mit dem Abstieg in die Bezirksliga 1971 ein vorläufiger Tiefpunkt erreicht war.

Erst 1974 gab es mit der Verpflichtung des Trainers Ferdinand Voss einen kräftigen Aufschwung. "Ferdi" holte neue, überwiegend junge Spieler an den Sandweg und erreichte auf Anhieb den zweiten Tabellenplatz. Ein Jahr später Meisterschaft und Aufstieg in die Verbandsliga Süd. Auch im dritten Jahr seiner Tätigkeit holte "Ferdi" nochmals den Meistertitel, eine wahrlich stolze Trainerbilanz.

Mehrfach als Trainer der SVG erfolgreich – mal als Meistermacher, mal als Retter vor dem Abstieg - war auch Jens Spehr. Schon in seiner ersten Trainersaison 1978/79 gelang nach Meisterschaft und Aufstiegsrunde der Aufstieg in die einteilige Verbandsliga. Dieser Erfolg war besonders wichtig, weil auf Grund einer erneuten Spielklassenreform sonst die Rückstufung in die Landesliga fällig gewesen wäre. Die SVG hatte damit in etwa den Stand von 1957 (Aufstieg in die Amateur-Oberliga) wieder erreicht, obwohl man die Spielklassen durch die vielen Änderungen nicht genau vergleichen kann.

Die weiteren Jahre in der Verbandsliga verliefen ohne besondere Höhepunkte. Das änderte sich erst, als 1985 mit dem neuen Trainer Helmut Latermann drei Spieler mit Zweitliga-Erfahrung verpflichtet werden konnten. Der als Torjäger herausragende Uwe Rogowski (27 Saisontreffer), der sowohl in der Abwehr als auch im Angriff (8 Tore) glänzende "Calle" Dybowski und nicht zuletzt Detlev Wolter als Mittelfeldregisseur waren maßgeblich daran beteiligt, dass schließlich die Aufstiegsrunde erreicht wurde. Als sicherer Elfmeterschütze, vor allem aber mit seinen sensationellen Freistoßtoren (14 Saisontreffer) versetzte Detlev Wolter die Gegner und das Publikum gleichermaßen in Erstaunen. In der Aufstiegsrunde setzte sich die SVG setzte sich die SVG gegen die HSV-Amateure, den Bremer SV und den Heider SV als Gruppenerster durch. Der Aufstieg war damit perfekt.

Mit dem Aufstieg erreichte die SVG erstmals eine über die Landesgrenzen Niedersachsens hinausreichende Spielklasse. Gegner waren nun neben dem Ortsrivalen Göttingen 05 auch Mannschaften aus Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Von besonderer Brisanz waren dabei die Derbys mit Göttingen 05, wobei die SVG allerdings meistens den Kürzeren zog. Nach sieben Jahren hieß es wieder Abschied nehmen. Im zweiten Amtsjahr von Trainer Dieter Schatzschneider 1992/93 reichte der 13. Tabellenplatz nicht zum Klassenerhalt.

Ein Jahr später hatte die SVG mehr Glück. Der an sich enttäuschende 12. Platz genügte, um in die neue Oberliga Niedersachsen/Bremen eingeteilt zu werden. Unter dem neuen Trainer Kurt Krauß bot sich 1994/95 die Chance, in die Hauptrunde des DFB-Pokals einzuziehen. Nach Siegen gegen Göttingen 05, beim SC Harsum, gegen Eintracht Braunschweig und Kickers Emden, musste sich die SVG beim SSV Vorsfelde (damals Niedersachsenliga) mit 1 : 0 geschlagen geben. Die Enttäuschung über diese vermeidbare Niederlage war besonders groß, als dem SSV Vorsfelde in der Pokal-Hauptrunde ausgerechnet der FC Schalke 04 zugelost wurde.

Bis 1999 konnte sich die Mannschaft in der Oberliga Niedersachsen/Bremen halten. Bereits ein Jahr vorher wurde jedoch deutlich, dass sich die SVG durch einige Bauprojekte und beim Kampf um die Fußballhoheit in Göttingen finanziell übernommen hatte. Außerdem hatten mehrere wichtige Funktionäre nach internen Querelen den Verein verlassen. 1999 stand der Verein vor dem wirtschaftlichen Ruin. Der Abstieg in die Niedersachsenliga war unvermeidbar.

Der im Jahr 2000 unternommene Versuch, durch den Zusammenschluss mit Göttingen 05 eine für beide Vereine sportlich und wirtschaftlich bessere Basis zu schaffen, scheiterte am Votum der 05-Mitglieder. Zu einem neuen Versuch, die vertraglich vereinbarte Verschmelzung umzusetzen, kam es nicht mehr, weil Göttingen 05 nach dem Ausfall des Hauptsponsors Insolvenz anmelden musste. Das endgültige "Aus" für Göttingen 05 im Jahr 2003 hätte im Falle des vorherigen Zusammenschlusses wohl auch das Ende der SVG bedeutet.

Zur Existenzsicherung waren drastische Sparmaßnahmen erforderlich. Die knappen Mittel und die dadurch eingeschränkte Handlungsfreiheit blieben nicht ohne negative Folgen für die sportliche Entwicklung. Noch zweimal musste die SVG in den sauren Abstiegsapfel beißen.

2005 war mit dem seit 2003 amtierenden Trainer Holger Koch endlich wieder ein Aufwärtstrend zu erkennen. Als Tabellenzweiter der Bezirksliga Süd hatte die SVG die Chance, durch einen Sieg über den Zweiten der Bezirksliga Nord in die Landesliga zurückzukehren. Im Entscheidungsspiel gegen den TSV Hillerse konnte die Mannschaft die bis dahin gezeigten guten Leistungen leider nicht bestätigen. Der TSV Hillerse gewann nach Verlängerung mit 3 : 2 Toren.

Beim nächsten Anlauf hatte die SVG am Schluss der Serie 2005/2006 mehr Glück. Sie konnte als Zweiter aufsteigen, weil der TSV Holtensen als überlegener Staffelsieger nicht die für Vereine der Bezirksoberliga (vorher Landesliga) vorgeschriebenen Jugendmannschaften gemeldet hatte. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft dieses unverhoffte Glück auch zu schätzen weiß, und nicht durch vermeidbare Niederlagen noch in den Abstiegsstrudel gerät. Immerhin müssen 2007 neben dem bereits ausgeschiedenen TSV Hohenhameln vier weitere Mannschaften absteigen.

Unabhängig davon ist bei der SVG im Jubiläumsjahr eine optimistische Grundstimmung spürbar. Bei weiterer Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse wird es mit Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helfer gelingen, auch im sportlichen Bereich Schritt für Schritt weiter vorwärts zu kommen.